Teil 8 unserer Südamerika-Reise:
Von Riobamba (Ecuador) bis zurück nach Hamburg
 

Bei Riobamba steigen wir mit unserem Unimog auf 4.500 Meter, um dem höchsten Vulkan im Lande, dem Chimborazo, ein Stück näher zu kommen.

Vulkan Chimborazo (6310 Meter)

Leider ist das Wetter in dieser Jahreszeit nicht besonders. Dicke Wolken umgeben die schneebedeckte Spitze des Chimborazo und es nieselt in dieser Höhe ununterbrochen. Schade eigentlich - aber letzten Endes für uns kein größeres Problem. An einem ruhigen Plätzchen verbringen wir einen Tag lesend in unserem Unimog und warten gemütlich bis der Vulkankegel seine schneebedeckte Spitze zeigt.

Vulkan Altar (5319 m)

Was wir nicht ahnen können, dass sich - während wir in luftiger Höhe "die Zeit totschlagen" - unter uns in der Provinz Riobamba ein Streik zusammen braut, der uns noch viele Nervenkitzel bescheren wird.
Das Militär streikt für bessere Besoldung und sperrt alle Straßen ab, die aus der Provinz heraus führen. Nichts geht mehr. Auf Tage sind Menschen in der Provinz ein- oder aus der Provinz ausgesperrt und können nicht nach Hause zu ihren Familien.
... und ein Ende der Blockade ist nicht abzusehen.

Der Markt in Saquisili

Für uns ist die Situation deswegen ärgerlich, weil unser Vorhaben zu scheitern droht, in 2 Tagen den größten Indiomarkt des Landes zu besuchen, der nur Donnerstags im Städtchen Saquisili, weiter in Norden und außerhalb dieser Provinz statt findet.
Doch so leicht geben wir uns nicht geschlagen.
Auf Feldwegen und zuweil quer durchs Gelände suchen wir nach einem Ausweg aus der Provinz.
Zwar haben auch die Bauern hier und da mit großen Steinen, brennenden Barrikaden oder Baumstämmen den Weg versperrt, wo man es nicht vermutet hätte, aber sie haben die" Rechnung ohne den Wirt" gemacht.

Nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen kann man hier kaufen.

Was für PKWs und LKWs nützt, ist für unseren Unimog kein wirkliches Problem. Wir schaffen es, jedes sich bietende Hindernis zu überwinden oder zu umfahren und müssen lediglich vor eventuellen Bewachern der Barrikaden auf der Hut sein.
Immer der Kompassnadel in Richtung Norden folgend finden wir schließlich einen Weg aus der Provinz heraus und erreichen Donnerstags morgens pünktlich den Markt in Saquisili.

Legehennen zum Verkauf

Nach Saquisili, einem ansonsten ein eher kleinen und beschaulichen Dörfchen, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf den nahe gelegenen Vulkan Cotopaxi (5897 m) hat, strömen einmal pro Woche Bauern, Handwerker, Händler und Gaukler aus der nahen und fernen Umgebung und erfüllen die Strassen und Plätze mit ihrem geschäftigen Treiben.

Meerschweinchen sind eine Delikatesse

Hier ist alles zu haben, was das Herz begehrt - große und kleine Tiere (darunter auch die leckeren Meerschweinchen), Futtermittel, Getreide, Saatgut, Pflanzen, Haushaltswaren, Werkzeug, Kleidung, Felle, u.v.m..

Am darauffolgenden Freitag fahren wir weiter nach Quito. Die Hauptstadt des Landes erstreckt sich mit ihren ca. 2 Millionen Einwohnern (so ganz genau weis das wohl niemand) in einem langgezogenen Tal am Fuße des Vulkans Pichincha in 2800 Metern Höhe.

Blick auf Quito vom Vulkan Pichincha

Wir wollen uns in dieser Millionenstadt nicht allzu lange aufhalten und lediglich eine befreundete Familie besuchen, die ich schon bei früheren Besuchen in diesem Lande kennen und schätzen gelernt hatte. Doch leider kommt es anders.
Am Abend vor unserer vermeintlichen Abreise genehmigen wir uns noch einen Abschiedsdrink in einer Kneipe ein paar Straßen weiter.

Der Plaza Grande im historischen Zentrum von Quito

Auf dem Fußweg durch das nächtliche Quito, zurück von der Kneipe zum Haus unserer Freunde und zu unserem Unimog werden wir von 5 bewaffneten Ecuadorianern überfallen. Mit dem Messer an der Kehle haben wir wenig Argumente, unsere Wertsachen nicht doch herauszugeben. Und wie es der Zufall so will, haben wir an diesem Abend - das einzige Mal auf dieser Reise so ziemlich alles bei uns, was teuer ist oder zumindest größere Aufwand bei der Wiederbeschaffung bedeutet. So werden wir unfreiwillig dazu "überredet", doch noch 2 Wochen länger in dieser schönen Stadt zu verweilen, bis wir wieder neue Pässe haben , neue Einreisestempel, neue Kreditkarten, etc..

Blick vom historischen Zentrum auf die Kathedrale "San Francisco"

Doch wir nutzen die Zeit sinnvoll und begeben uns in den Slums der Stadt, bei Hehlern, bei Huren und auf den "Flohmärkten" auf die Suche nach unseren Kameras. Und siehe da: Nach zwei Wochen sind wir fündig und kaufen unsere Ausrüstung wieder zurück. Der fast volle Digitalfilm steckt sogar noch in meiner Kamera und die dämlichen Verbrecher haben sich darauf selbst abgelichtet.

Wir nutzen die Zeit auch für die Vorbereitung unserer Rückreise nach Deutschland, denn der Urlaub ist bald zu Ende und die Weiterreise durch Kolumbien hat sich aufgrund unseres unerwartet langen Aufenthaltes in Quito erübrigt.

Indiomarkt in Otavalo

Wir entschließen uns daher für eine Rückverschiffung aus Guayaquil, der Hafenstadt des Landes.

Zwischen der Rennerei zu Behörden, Botschaften und Reedereien machen diverse Ausflüge in´s nähere Umland Quitos.
So besuchen wir z.B. einem farbenfrohen Indiomarkt in Otavalo, einhundert Kilometer weiter im Norden, an dem vor allem bunte Kleidung, Decken und Felle angeboten werden.

Indiomarkt in Otavalo

Andere Ausflüge führen uns zur "Mitad del Mundo", einem recht unspektakulären Denkmal, das auf die Trennlinie zwischen nördlicher und südlicher Hemisphäre gebaut wurde, sowie zum "Lago Coicocha", einem traumhaft schönen See, der in hohen einem Vulkankrater eingebettet ist.

Wieder im Tiefland auf dem Weg nach Guayaquil

Auf unserem Weg nach Guayaquil müssen wir das angenehme Klima in den Hochebenen der Berge wieder verlassen. Mit jedem Meter nach unten wird es heißer und die Luftfeuchtigkeit steigt. Wir durchfahren üppige Regenwälder an den Osthängen der Anden und steigen allmählich ab in das Tiefland der Küste. Bananenplantagen säumen unseren Weg.
Auf der Suche nach einem passenden Übernachtungsplatz abseits der Straße fahren wir einen schmalen Weg hinein in eine Bananenplantage und geraten unverhofft auf ein bewohntes Anwesen.

Übernachtungsplatz im hauseigenen botanischen Garten eines Plantagenbesitzers.

Doch keine Bange, die unbeschreibliche Gastfreundschaft der Menschen hier verhilft uns zu einer Nacht in parkähnlicher Landschaft, auf bewachtem Gelände, zu Essen und Trinken, zu einer Führung über die Plantage und zu einem Abend voller guter Unterhaltung mit den Besitzern des Anwesens.

Je weiter wir uns der Küste nähern, desto stärker werden wir auch wieder mit den Problemen des El Niño konfrontiert, den wir schon fast vergessen hatten.

Palestina, ein Dorf kurz vor Guayaquil

Hier und da sind die Straßen wieder überschwemmt, Häuser stehen in Ortschaften im Wasser und die Hinterlassenschaften der Regenfluten sind überall deutlich zu sehen.
Guayaquil ist erschreckend. Die Kriminalität ist immens und vor einem jeden noch so kleinen Kaufladen der Stadt stehen schwer bewaffnete Wachen mit ihren Maschinengewehren vor der Brust.

Überschwemmungen in Guayaquil
aufgrund des El Niño behindern die Menschen kaum, auch wenn das Wasser bereits ins Auto fließt.

Wir haben einige Tage Aufenthalt, bis auch die letzten Zollformalitäten geklärt sind, der Unimog hochseetüchtig verpackt, auf dem Flat-Rack verzurrt und auf den Bananendampfer verladen ist.
Schließlich fliegt Heinz Dieter 2 Tage eher nach Hause. Sein Vater ist plötzlich und unerwartet verstorben und so nimmt die Reise für ihn ein jähes Ende, mit dem keiner von uns jemals gerechnet hätte.

Der Unimog im Hafen von Hamburg

Eine Reise geht zu Ende, auf der wir eine Menge erlebt, viele Dinge gesehen und viele Schwierigkeiten und auch Gefahren gemeinsam gemeistert haben. Viele Bilder und viele Stunden Filmmaterial haben wir davon getragen und natürlich auch eine ganze Menge an wunderschönen Erinnerungen, an die wir uns sicherlich noch ein ganzes Leben lang erinnern werden.

Der Unimog verpackt auf dem Flat-Rack

Dieses war für uns beide nicht die erste Reise in diesen wunderschönen Kontinent - und sicherlich auch nicht unsere letzte.