Teil 6 unserer Südamerika-Reise:
Vom Titicaca See (Bolivien/Peru) über Machu Picchu (Peru) bis nach Lima
 

Auf der Suche nach einem geeigneten Standplatz für die Nacht treffen wir bei der Stadt Juliaca auf eine Guanaco- Herde, die von mehreren halbwüchsigen Jungen gehütet wird.

Guanacos und ihre Guanacer
(... Schäfer können´s ja nicht sein ...)

Die Landschaft ist traumhaft um sie herum und von da, wo sie im Gras sitzen, kann man sogar in der Ferne den Lago Titicaca erkennen. Wir campieren hier und erkunden am nächsten Tag den nahegelegenen "Bauernhof", von dem die Jungs kommen. Stolz zeigt uns sein Besitzer das Anwesen, den Brunnen, die Ställe, die Tiere, den prächtigen Bullen auf der Weide und den Rest seiner Familie, der auf einer entfernten Wiese eine Herde hütet.

Junge Guanacos

Dann führt er uns in die Geheimnisse seiner Käseproduktion ein und uns wird klar, woher die schwarzen Punkte kommen, die man in diesem leckeren, würzigen Käse findet - auch Fliegen scheint der Käse zu schmecken.


Käseherstellung (Käse mit besonderer "Würze")

Auf dem weiteren Weg nach Cuzco wird die eigentlich so gute Andenstraße auf ca. 100 km Länge unterbrochen und wir fahren durch zerwühlte Piste, den Schalter für Allrad immer in der Hand.

Cuzco, Plaza de Armas

Cuzco ist eine schöne und freundliche Stadt.
Als wir auf der Suche nach einem bewachten Parkplatz einen Polizisten fragen, der eifrig auf einer Tonne inmitten einer großen Kreuzung den Verkehr regelt, steigt er kurzer Hand bei uns ein und klappert mit uns die Parkplätze der Stadt ab, bis wir den geeigneten gefunden haben.
Zu guter Letzt handelt er für uns auch noch die Parkgebühr aus - 2 Dollar pro Tag.
Wenn das kein Service ist ...

Auch das Militär schwört hier auf Unimog

Wir steigen im kleinen Hotel gegenüber ab und erkunden das touristische Treiben der Stadt, die einst Hauptstadt des alten Inkareiches war.
Hier in Cuzco steht eine der vier großen "Burgen", Sacsayhuamán, die neben Pisac, Ollantaytambo und dem mehr bekannten Machu Picchu die Zentren des Incareiches bildeten.
Eines haben sie alle gemeinsam, etwas, was jedem Besucher Erfurcht vor diesen frühen Erbauern einflößt: Gigantische Felsblöcke, die in Sacsayhuamán z.B. bis zu 350 Tonnen wiegen können, wurden bearbeitet, geschliffen und mit einer Präzision wie Puzzlesteine ineinander gefügt und übereinander gewuchtet, daß zwischen ihnen oft nicht ein Blatt Papier mehr dazwischen passt.

Inca-Festung Sacsayhuamán bei Cuzco

Dabei entwickelten die Erbauer der alten Städte eine ausgeklügelte Technik, damit ihre Festungen den Erdbeben in dieser Region standhalten würden. Sie verkeilten die Steine derart gegeneinander, dass sie horizontale und vertikale Erschütterungen überstehen konnten. Mit Erfolg, denn die Festungen stehen noch heute, während die meisten Bauten spanischer Konquistadore bei Beben zusammen gefallen sind.

Der Inca Trail nach Machu Picchu

Die Festung Machu Picchu erreicht man ausschließlich per Zug, der bei Kilometer 88 der Strecke einen kurzen Zwischenstopp einlegt, um diejenigen Touristen abzusetzen, die von hier aus den Weg nach Machu Picchu über eine alte Straße der Incas antreten wollen - den IncaTrail.
Diese Straße - übrigens nicht die Einzige im Reich der alten Inkas - führt auf einer Strecke von über 40 Kilometern über mehrere Andenpässe, sowie durch Täler und entlang steiler Abhänge durch faszinierende Gebirgslandschaft und ist mit großen flachen Steinen gepflastert.

Die Festung Machu Picchu

Wir ersparen uns diese Mühe und setzen die Fahrt mit dem Zug fort. Die Endstation des Zuges liegt im Tal direkt unterhalb der Festung, die auf einem Bergplateau versteckt von unten nicht zu erkennen ist. Wir übernachten hier und steigen erst am nächsten Morgen zur Festung auf, die noch in dichten Nebelwolken versteckt auf den Ansturm der Besucher wartet.

Das Zentrum der Priester auf Machu Picchu

Dank eines erfahrenen Freundes, den wir auf der Strecke kennen gelernt haben, finden wir einen Aussichtspunkt kurz oberhalb der noch unsichtbaren Festung, von dem wir die gesamte Anlage überblicken können, wenn sie denn mal aus ihrem Versteck auftauchen würde.

Machu Picchu

Die Spannung steigt und ich erfülle mir einen lang gehegten Traum. Mit Heinz Dieter´s Walkman ausgerüstet und in der Stille der Natur höre ich zum langsamen Erscheinen der Festung Machu Picchu im Nebel der Anden das Stück "Wish you where here" von Pink Floyd, ein Stück, das ich - warum auch immer - schon seit früher Jugend mit den Inkas und insbesondere Machu Picchu assoziiere.

Alle Gebäude der Siedlung sind gegen den Sonnenaufgang gerichtet und in verschiedene Vietel aufgeteilt. So kann man deutlich erkennen, in welchem Teil einst Könige regierten, in welchem Teil Priester das Volk führten, wo Handwerker arbeiteten und wo Bauern einst ihr Tageswerk verrichteten. Ein ausgeklügeltes System aus

Brunnen und in Stein gehauene Kanäle

sorgt für fließendes Trinkwasser.

Bevor wir per Unimog unsere weitere Reise in die Küstengebiete Perus antreten, machen wir noch einen Abstecher nach Ollantaytambo und Pisac, den beiden anderen großen Festungen der Incas.

Arno auf der Festung Pisac
(beim Meditieren nach Art der alten Prister)

Der Abstieg aus den Anden und zurück ans Meer führt über die Stadt Sicuani, wo wir in Richtung Südwesten abbiegen, um die Hochebene des "Reserva National Salinas Y Aguada Blanca" zu durchqueren. Wir überqueren 4300 Meter hohe Pässe und fahren vorbei an der atemberaubenden Schönheit knapp 6000 Meter hoher Vulkane.

Wir wollen nach Nazca, einer Kleinstadt in der Wüste entlang der Küste, die ein weiteres Geheimnis dieser alten Kultur birgt, die Nazca Lines.

Die Nazca Lines (Mensch)

Indem sie den steinigen Wüstenboden gezielt bearbeiteten und stellenweise von Steinen befreiten, schufen sie eine Anzahl von über 40 kleineren und größeren Figuren, die mit bis zu 230 Metern Größe in der flachen Ebene aus Augenhöhe nicht im ganzen Umfang zu erkennen sind. Vom Flugzeug aus sieht man die Kunstwerke besser und man erkennt beispielsweise die Darstellung einer Spinne, eines Kolibri, eines Affen oder gar eines Wals. Aber auch schnurgerade, mehrere Kilometer lange Linien und geometrische Muster sind aus der Luft deutlich zu erkennen.

Die Nazca Lines (Kolibri)

Über den Sinn dieser Linien streiten sich die Gelehrten heute immer noch. Während die einen in Ihnen Zeichen für Ausserirdische erkennen, halten andere sie für die Kennzeichnung unterirdischer Wasserverläufe oder für Symbole religiösen Treibens.

Plaza de Armas, Lima

Wir fahren weiter entlang der Panamericana die trockene Küste entlang in Richtung der Hauptstadt Lima. Es häufen sich die Hühnerfarmen mit Ihren riesigen Hallen, die zwischen Panamericana und das Meer gebaut sind, und die mit ihrem Gestank die peruanische Metropole eindrucksvoll ankündigen. Zwei nette Freunde, die wir im Hochland kennen und schätzen gelernt hatten, hatten uns angeboten, sie in Lima zu besuchen. Wir halten unser Versprechen und nehmen die Möglichkeit war, das Zentrum der Stadt zu Fuß zu erkunden und gleichzeitig unseren Unimog in sicheren Händen zu wissen.

Plaza de Armas, Lima

Lima ist arm und unsicher. Als wir die Stadt mit dem Unimog durchqueren, zerren eifrige Kerle am Straßenrand an den Ersatzkanistern und Aggregaten unseres Unimog herum, sobald wir an einer Ampel für ein paar Minuten halten müssen.
Aber auch hier ist die Polizei entgegen allen Erwartungen mehr als freundlich. Weil wir in den nördlichen Slum- Regionen herumirren und den Anschluss an die Panamericana vergeblich suchen, fragen wir 2 Polizisten nach dem Weg. Prompt steigen beide zu uns ein und zeigen uns - von Erzählungen über die alltäglichen Morde in diesem bettelarmen Stadtteil begleitet - persönlich den Weg, ohne etwas dafür zu verlangen.
Wir entlohnen sie dennoch mit ein paar Sol für die Rückfahrt und ziehen weiter.

Kutsche am Plaza de Armas in Lima