Teil 3 unserer Südamerika-Reise:
Von Puerto Montt (Chile) bis Cordoba (Argentinien)
 

Auf dem Rückweg ´gen Norden begeben wir uns bei Puerto Varas auf einen kleinen Abstecher zum Vulkan "Osorno", den wir schon seit unserer Ankunft in Chile von Ferne bewundern können.

Der Vulkan Osorno
im Hintergrund von Puerto Varas

Wir umfahren den Lago Llanquihue an seinem Südufer und treffen auf eine Region, in die Deutschland ausgewandert zu sein scheint.
Das Clubrestaurant eines Golfclubs mit deutschem Namen am Wegesrand preist in großen Lettern Erdbeerkuchen an und zwingt uns zur Rast an diesem Ort und am Ufer des Sees.

Am Südufer des Lago Llanquihue hat man einen schönen Blick auf den Vulkan Osorno

Bis ganz zum Vulkan hin können wir nicht vordringen, werden aber am Ende der Straße mit einem tosenden Wasserfall entlohnt. Wasser windet sich vom Vulkan kommend in mehreren Lava- Flussbetten durch die Landschaft und stürzt in Schluchten, Kanälen und Kaskaden lärmend in die Tiefe.
Obwohl einige kleinere und ruhigere Buchten am Wasserfall zum Baden einladen, wäscht uns die eisige Kälte des Wassers diesen Gedanken schnell wieder aus dem Kopf, als wir nur einen Fußzeh hineinstecken.

Petrohué- Wasserfall im Nationalpark Vicente Pérez Rosales

Die Region ist als Chiles Seenregion bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass sich im Verlaufe unsere weiteren Tour in Richtung Norden und in Richtung der Hauptstadt Santiago de Chile die Wasserfälle aneinander reihen.
Einer der größeren in dieser Region ist der Salto de Laja, den wir einige hundert Kilometer weiter im Norden eher durch Zufall am Straßenrand entdecken.

Salto del Laja

Die weitere Reise in Richtung Norden gestaltet sich vor allem gegen Abend recht schwierig.
Nach deutscher Manier hat man in diesem hübschen Land seinen Besitz jeweils deutlich gekennzeichnet und mit mannshohem Drahtzaun vom Rest der Welt abgeschirmt. Für uns besonders schwierig, denn auch auf seitlichen Abwegen der Hauptstraße Routa National 5 schlängeln sich die Zäune entlang der Straße und erlauben keinen Halt zur Übernachtung. So ist die einfache Suche nach einem geeigneten Standplatz für die Nacht oft ein stundenlanges unterfangen - etwas, was wir von argentinischer Seite und der Weite Patagoniens nicht gewöhnt waren.

Fußgängerzone in Santiago de Chile

In Santiago de Chile haben wir neben der eigentlichen Stadterkundung noch ein ganz anderes Anliegen vor. Das vordere rechte Radgetriebe unseres Unimog verliert schon seit dem südlichen Ende Partagoniens im gleichbleibenden Abstand von nur ca. tausend Kilometern sein gesamtes Schmieröl, ohne dass es dafür ein äußeres Anzeichen gibt. So sind die Werkstätten von Mercedes Benz in Santiago für uns ebenfalls ein wichtiges Ziel.

Mercedes Benz Werkstätten; die vorderen Radgetriebeabdichtungen werden erneuert.

Die hiesigen Mercedes Werkstätten schlagen in ihren Ausmaßen alles, was wir von Deutschland her kennen. In Werkstatthallen, in denen über 30 Lastwagen zur gleichen Zeit repariert werden macht man sich an unserem Unimog an die Arbeit.
Gut, daß wir Ersatzdichtungen mitgebracht haben, denn trotz der Größe des Betriebes ist man mit Unimogteilen der "neueren" Modelle nicht sehr gut bestückt.

Der belebte Plaza de Armas im Herzen von Santiago mit Kathedrale

Uns bleibt genügend Zeit, uns in der westlich anmutenden Metropole Chiles umzusehen. Weil die Reparatur unseres Unimog einige Tage dauert, mieten wir uns Zimmer in einem Hotel der Stadt.
Wir bummeln durch Kaufhäuser und genießen das vorweihnachtliche Flair der Fußgängerzone, in der ein eifriger, in roter Robe gekleideter und mit dickem Bart behangener Weihnachtsmann bei hochsommerlichen Temperaturen seine Dienste tut.

In Santiago de Chile

Aber wir sind den Lärm, die Abgase und die Enge der Stadt nicht mehr gewöhnt und so sind wir froh, als wir unseren Unimog endlich wieder zurück erhalten und unsere Reise ans Ende des Horizontes fortsetzen können.
Wir fahren zur Hafenstadt Valparaiso, die einige zig Kilometer westlich von Santiago am Meer liegt und die man uns als lohnendes Ausflugsziel in Santiago empfahl.

Das Meer in der Nähe von Valparaiso

In einer Wäscherei in Valparaiso werden wir von einem freundlichen älteren Herrn, der den typischen Bart seines Idols trägt, mit "Heil Hitler" begrüßt und können uns nur unter großen Anstrengungen einem weiteren, detaillierteren Gespräch entziehen.
Wir erkunden die Stadt zu Fuß und auch per Unimog, trinken einen Kaffee in einem der unzähligen Restaurants mit mittelalterlichem Hygienestandard und fahren schließlich weiter nach Norden bis zur Stadt "Viña del Mar", wo wir endlich den von uns erhofften Traumstrand finden.

Der Strand bei Viña del Mar

Hier feiern wir einen temporären Abschied von unserem Reisegefährten Heinz Dieter, der bei unserer Rückreise nach Santiago mit dem Flugzeug nach Brasilien fliegen wird, um mit seinen dortigen Verwandten das Weihnachtsfest zu feiern.

Zu Zweit machen Isabel und ich uns auf den Weg über den 3854 Meter hohen "Paso de la Cumbre", der Argentinien und Chile miteinander verbindet.

Auf dem Paso de la Cumbre zwischen Chile und Argentinien

Die Route führt vorbei am höchsten Berg Amerikas, dem Aconcagua mit seinen stolzen 6959 Metern über dem Meeresspiegel.

Eine Attraktion ist in dieser Höhe auch ein weiteres Kunstwerk der Natur, die Incabrücke "Puente del Inca". Erosion und Ablagerungen stark mineralischer und schwefelhaltiger Quellen haben einen Bogen von etwa 20 m Höhe und 28 m Breite über den Rio Mendoza gespannt.

Die Puente del Inca,
ein Kunstwerk der Natur auf 2700 m Höhe

Auf argentinischer Seite erwartet uns auf unserem Abstieg vom Pass ein Ausblick auf farbenprächtige Felsen und Berge, deren mineralhaltiges Gestein in der strahlenden Nachmittagssonne glänzt.
Wir können uns kaum satt sehen an den Farben der Natur und beschließen, den Sonnenuntergang und die Nacht in dieser prächtigen Landschaft zu verbringen.

Die prächtigen Farben der Berge auf argentinischer Seite des Paso de la Cumbre

Die Landschaft ist im Vergleich zum üppigen Grün auf der Westseite der Berge erschreckend trocken und auch die Sonne brennt mehr und mehr vom Himmel, je tiefer wir von den Anden absteigen.
Wir sind guter Dinge und freuen uns auf das Weihnachtsfest und - trotz glühend heißen Temperaturen - auf ein beschauliches Weihnachtsfest irgendwo in einer kleinen Kirche.

Auf dem Weg nach Mendoza.
(Isabel singt Weihnachtslieder - bei 35 Grad.)

Wir sind neugierig auf das idyllische Städtchen Mendoza, das nicht nur in Argentinien als Geburtsort namhafter Weine ein Begriff ist, schaffen aber bis Weihnachten nur den Weg bis in eine kleine Stadt kurz vor unserem eigentlichen Ziel. Während man in Deutschland um diese Zeit schon lange von weihnachtlichem Glimmer umgeben ist, einem Gerüche von Glühwein und Zimtgebäck von unzähligen Weihnachtsmärkten und aus jedem Haus entgegen strömen, merkt man in den südamerikanischen Ländern überhaupt nicht, dass das größte Fest der Christenheit ins Haus steht.

Kirche in Godoy Cruz bei Mendoza

In einem kleinen Ort in der Nähe von Mendoza verbringen wir das Weihnachtsfest und gehen am Heiligabend - den man in Argentinien übrigens nicht feiert - in eine von Strahlern romantisch erleuchtete Kirche zum Gottesdienst.
Wir beschließen den Abend im Unimog auf einem ruhigen Parkplatz direkt vor der Kirche, bei einem festlichen, selbstgekochten Essen, werden aber mitten in der Nacht um 24 Uhr von Heerscharen von Menschen geweckt, die laut grölend und feiernd, mit Raketengeböller das Weihnachtsfest einläuten.

In Mendoza

Bei unserem sonntäglichen Bummel durch die Stadt Mendoza ermöglichen uns die zahlreichen Alleen der Stadt auch bei diesen glühendheißen Temperaturen einen wirklich angenehmen Aufenthalt. Nach einer Nacht inmitten der Weinberge zwischen Mendoza und San Juan setzen wir unsere Reise fort.

Abseits der Straße zwischen
Mendoza und San Juan

Der Weg führt uns abseits der Routa National 40 durch die trockene Steppe dieser Region. Wir suchen einen schönen Standplatz möglichst unter Bäumen, die jedoch in dieser Gegend nicht gerade Zahlreich vertreten sind.
Irgendwann haben wir ein lauschiges Plätzchen gefunden, das wir letzten Endes nur mit Allradantrieb erreichen konnten und bei dem es genug Schatten gab, um den verbleibenden Nachmittag un den Abend unter freiem Himmel zu genießen und einen der täglich auf´s Neue faszinierenden Sonnenuntergänge zu bewundern.

Der Sonnenuntergang in der Steppe nördlich von San Juan

Wie wir schnell gemerkt haben, finden nicht nur wir dieses Plätzchen besonders lauschig, sondern auch eine Menge Getier, das sich so rund um unseren Unimog und unsere Campingstühle tummelt. Käfer, so groß wie Mäuse, die in atemberaubenden Geschwindigkeiten über den heißen Boden traben und Spinnen in Frühstückstellergröße heißen uns an diesem Ort willkommen.

Spinne in den Reifenspuren des Unimog

Auf Dauer ist uns denn doch nicht so wohl zu Mute und so beschließen wir die Weiterfahrt am nächsten Morgen.

Ein paar Kilometer östlich der Stadt San Juan treffen wir auf eine Städte, an der die Argentinier eine Heilige aus dieser Region verehren.

Difunta Correa

Der Legende ist Maria Antonia Deolinda Correa aus der Region im Jahre 1841 von Maultier-Treibern in dieser unwirtlichen Gegend verdurstet aufgefunden worden, mit ihrem neugeborenen Kind lebend und immer noch trinkend im Arm und an ihrer Brust.

Ein paar Kilometer weiter im Norden wecken steil abfallende Sandsteinformationen und bizarre Felsskulpturen erneut unsere Neugier.

Felsformation im
Parque Provincial Talampaya

Hier im Parque Provincial Talampaya, einem trockenen Wüstengebiet, schufen Wind und Wetter in Jahrmillionen eine faszinierende Landschaft. Cañons, die bis zu 170 m fast senkrecht abfallen, sowie phantastische Sandsteinformationen, die Menschen, Tieren oder Gebäuden gleichen, sind hier zu finden.
Wir schließen uns einer geführten Tour an, durch das Tal des Mondes ("Valle de la Luna"), das seinen Namen wirklich zu recht trägt.

"Sphinx" im Valle de la Luna

Langsam schlägt uns das trockene Klima aufs Gemüt und wir sehnen uns wieder nach einer lebensfreundlicheren und feuchteren Region.

Die Stadt Cordoba ist unser östlichstes Ziel.
Hier werden wir das Neujahrsfest verbringen und uns dann im neuen Jahr für ein paar Monate von einander verabschieden, denn Isabel fliegt von hier aus zurück nach Deutschland.
Der Urlaub ist für sie zu Ende und die Arbeit ruft.

Sozusagen "im fliegenden Wechsel" wird hier auch Heinz Dieter wieder zu mir stoßen, um mit mir zusammen die Reise durch den weiteren Norden dieses Kontinents fortzuführen.

An einem See bei Villa General Belgrano
südlich von Cordoba